Studienfahrt nach Worms, Heildelberg und Speyer
Chronik der SENU-Ndk
Die Senioren-Union Niederkassel auf Studienfahrt
1. Tag – Worms
(GBe) Die diesjährige Studienfahrt führte die 22 Teilnehmenden zu drei bedeutenden Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes.
Worms entwickelte sich aus einer keltischen Siedlung und römischen Kleinstadt unter fränkischer Herrschaft zu einem Bischofsitz und einem christlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Seit dem 9. Jh. war die Stadt Sitz der mächtigen Herzogsfamilie der Salier. Die ottonischen Könige förderten den Ausbau der bischöflichen Stadtherrschaft, die Staufer und Salier stärkten die Rechte des aufstrebenden Bürgertums. 1184 erhielt die Stadt die Privilegien einer Freien Reichsstadt. Die engen Beziehungen zu den römisch-deutschen Königen und Kaisern machten Worms zum Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse. Auf dem Reichstag 1521 verteidigte Martin Luther seine Thesen. Sein Auftritt markierte einen Wendepunkt in der religiösen Geschichte Europas und trug entscheidend zur Verbreitung der reformatorischen Ideen in Worms bei.
Zentral am Marktplatz erhebt sich die Dreifaltigkeitskirche. Zuvor stand an dieser Stelle das repräsentative Rathaus. Das „Haus zur Münze“ wurde im Pfälzischen - 1689 durch die Truppen Ludwig XIV. zerstört. Da die Wormser Protestanten irrtümlich annahmen, Luthers Auftritt auf dem Reichstag habe in der „Münze“ stattgefunden – tatsächlich jedoch im Bischofshof - errichteten sie an dieser Stelle die Dreifaltigkeitskirche als „Reformationsgedächtniskirche. “ Die Kirche - ein barocker, nach Osten ausgerichteter Saalbau - wurde 1725 geweiht. Beim Wiederaufbau 1945 wurde nur die Holzdecke, die ein gotisches Kreuzrippengewölbe imitiert, original rekonstruiert. Beeindruckend ist der Zyklus von 15 modernen raumhohen Buntglasfenstern von Wilhelm Buschulte, die biblischen Szenen thematisieren und deren Farben eine starke Symbolkraft besitzen.
Seit über 1000 Jahren überragt der Kaiserdom St. Peter die Wormser Innenstadt. Er diente als Grablege der salischen Herzöge. Um 1130 ließ Bischof Burchard II. – vermutlich wegen schwerer Bauschäden – den Dom seines Vorgängers niederlegen und ersetzte ihn durch eine doppelchörige, in gebundenem System gewölbte Basilika aus roten Sandsteinquadern. Der spätromanische Neubau entsprach im Wesentlichen dem Erscheinungsbild des heutigen Domes: Achteckige Zentraltürme
betonen die Vierung des östlichen Querschiffes und den Westchor. Jeweils zwei schlanke Rundtürme sind neben die Chöre gesetzt. Nach der Plünderung im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Kathedrale mit einem brocken Hochaltar von Balthasar Neumann aus vergoldetem Holz und verschiedenfarbigem Marmor sowie einem barocken Chorgestühl ausgestattet. Mit Beginn der Reformationszeit verlor das Wormser Bistums zunehmend an Bedeutung und wurde in der
Säkularisation 1802 aufgelöst. Der Dom verlor seinen Status als Kathedralkirche. Heute ist er eine
Pfarrkirche des Bistums Mainz, die 1925 vom Papst in den Rang einer „Basilika minor" erhoben wurde.
Vom Dom aus führt der Weg zum jüdischen Friedhof an den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer entlang. Bereits in spätrömischer Zeit erhielt Worms eine -. Im Mittelalter wurde die Stadtbefestigung mehrfach erweitert. Die verschiedenen Bau-phasen sind deutlich an den unterschiedlichen Steinen der Mauerreste zu erkennen.
Der alte jüdische Friedhof „Heiliger Sand" befindet sich südwestlich der Altstadt, außerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Er wird „Heiliger Sand“ genannt, weil er der Legende nach mit Sand aus dem Heiligen Land angelegt wurde. Heute zählt der Friedhof als Erbe des aschkenasischen (deutschen) Judentums zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Wormser jüdische Gemeinde gehörte mit Mainz und Speyer zu der Gemeinschaft der SchUM-Städte, die als bedeutende Zentren jüdischer Gelehrsamkeit galten. Im sogenannten „Tal der Rabbiner“ sind zahlreiche einflussreiche jüdische Gelehrte und Rabbiner beigesetzt. Die ältesten Grabsteine datieren auf die Jahre 1058/59 und weisen den „Heiligen Sand" als den ältesten, erhaltenen jüdischen Friedhof Europas aus. Die Gräber auf dem Wormser Friedhof sind nicht – wie sonst üblich – nach Osten in Richtung Jerusalem ausgerichtet, sondern weisen nach Süden. Während die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gräber den strengen jüdischen Grabsitten folgen, lassen die Gräber aus dem 18. und 19. Jh. Eine Grabkultur erkennen, die sich den bürgerlichen Vorstellungen jener Zeit anpasste. Ganz im Norden des Areals befindet sich das Doppelgrab von Rabbi Meir von Rothenburg (gest. 1293) und seines Schülers Alexander Salomo ben Wimpfen (gest. 1307). Diese beiden Glaubenszeugen des aschkenasischen Judentums werden noch heute wie Heilige verehrt. Juden aus aller Welt besuchen ihre Gräber und legen dort Steine gegen das Vergessen nieder.
Von Worms fuhren wir weiter nach Heidelberg, bezogen unser Hotel und verbrachten den Abend in gemütlicher Runde in einem typischen italienischen Restaurant.
2. Tag - Heidelberg
Vormittags – historische Altstadt von Heidelberg
(GBe) Die Region war bereits bei den Kelten und Römern besiedelt. Mit der Herrschaft der Franken begann im 6. Jh. die Christianisierung. Zu jener Zeit befand sich die Siedlung noch im Besitz des Bistums Worms und wurde 1196verstmals urkundlich erwähnt. Die eigentliche Stadt wurde erst im 13. Jh. zwischen Königstuhl und Neckar planmäßig angelegt. Nach den Verwüstungen im Pfälzischen Erbfolge-krieg wurden die Häuser auf den mittelalterlichen Fundamenten im Stil des Barock neu aufgebaut. Der rechtwinklige Grundriss der Altstadt ist bis heute erhalten. An die enorme Kraftanstrengung beim Wiederaufbau der Stadt erinnert der Herkulesbrunnen vor dem Rathaus auf dem historischen Marktplatz. Dieses entstand um 1703 an Stelle eines Vorgängerbaus im Stil des Barock mit reicher Bauplastik und kur-fürstlichem Wappen.
1225 hatten die Pfalzgrafen bei Rhein aus der wittelsbacher-pfälzischen Linie Heidelberg als Lehen erhalten und mit der Goldenen Bulle 1356 auch die Kurfürstenwürde. Die Pfalzgrafen nannten ihr Herrschaftsgebiet fortan Kurpfalz, Heidelberg erhoben sie zur Residenzstadt. Deren Blütezeit begann mit Pfalzgraf Ruprecht I. Er gründete 1386 die Universität, die erste auf deutschem Boden und nach Prag und Wien die dritte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Kurfürst Rupert III. wurde als erster und einziger Pfalzgraf als Ruprecht I. zum römisch-deutschen König gewählt. Er ließ am Marktplatz die repräsentative spätgotische Heiliggeistkirche errichten. Heute ist sie die evangelische Hauptkirche der Stadt. Die Architektur stellt eine Synthese aus Basilika und Hallenkirche dar, ihr lichter Hallenchor war als Versammlungsort der Kanoniker und als kur-fürstliche Grablege konzipiert. Von den Grabmälern blieb nur eine Deckplatte im hochgotischen Stil erhalten. Sie zeigt die idealisierten Skulpturen von König Ruprecht I. im vollem Königsornat und seiner Gemahlin Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg dar. Die Seitenschiffe sind von Emporen überhöht, welche die weltbe-rühmte Bibliotheca Palatina aufnahmen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Sammlung als Kriegsbeute dem Papst zum Geschenk übergeben. Die meisten Exemplare werden bis heute in der vatikanischen Bibliothek aufbewahrt. Be-merkenswert sind die modernen Glasfenster. Das westlichste Bleiglasfenster im südlichen Seitenschiff schuf Johannes Schreiter. Von dem geplanten Fensterzyklus, der den Bezug verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zum christlichen Glauben thematisieren sollte, wurde nur dieses sogenannte Physik-Fenster realisiert mit der einsteinsche Formel E = mc2 und dem Datum des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima 06.08.1945.
Mit Martin Luthers Auftritt bei der Heidelberger Disputation 1518 verbreitete sich das protestantische Gedankengut auch am Kurpfälzer Hof. Bis ins 18. Jh. wechselte in Heidelberg nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ insgesamt siebenmal die Konfession. Während der Gegenreformation siedelten die nunmehr katholischen Kurfürsten in Heidelberg Jesuiten an. Ein Drittel der Bevölkerung konvertierte zum katholischen Glauben. Die Heiliggeistkirche wurde für 230 Jahre Simultankirche für Katholiken und Protestanten. Die Mariensäule auf dem Kornmarkt erinnert an die religiösen Konflikte. Sie ist als Propagandamaßnahme der Gegenreformation anzusehen, deren Ikonographie von der mehrheitlich protestantisch-reformierten Stadtbevölkerung als Provokation empfunden wurde. Die Säule zeigt die Gottesmutter, wie sie das
Jesuskind auf dem linken Arm hält und auf einer vergoldeten, von einer Drachenschlange umwundenen Weltkugel steht. Das Jesuskind hat die rechte Hand zu einer Segensgeste erhoben, mit der linken stößt es eine Lanze mit Kreuz in den Kopf der Drachenschlange - ein Symbol für den Kampf gegen den protestantischen „Irrglauben“ in Heidelberg.
Die spätbarocke Jesuitenkirche erhebt sich in dem ehemaligen Jesuitenviertel in unmittelbarer Nähe des Universitätsplatzes. Heute ist sie die Hauptkirche
der römisch-katholischen Gemeinde. Die dreischiffige Hallenkirche ist aus heimischem Buntsandstein erbaut. Besonders eindrucksvoll ist die prächtige Giebelfassade, die an die Mutterkirche des Jesuitenordens Il Gesù in Rom erinnert. Das Innere der Kirche ist ganz in Weiß gehalten und nur die Kapitelle der Säulen sind teilvergoldet. Die harmonische Mischung aus Eleganz und Einfachheit spiegelt die architektonische Vision der Jesuiten wider mit dem besonderen Fokus auf Funktionalität und spiritueller Kontemplation.
Der Universitätsplatz bedeckt die Grundmauern des ehemaligen Augustinerklosters, in dem 1518 die Heidelberger Disputation stattfand. In den 1930er Jahre wurde auf der gegenüberliegenden Seite des Universitätsplatzes das Hörsaalgebäudes der Neuen Universität errichtet. Aus der Ruprecht-Karls- Universität gingen bedeutende Wissenschaftler hervor, u.a. auch der erste demokratisch gewählte Präsident der Weimarer Republik Friedrich Ebert. Die Ruperto-Carola Universität zählt zum Kreis der Exzellenzuniversitäten.
Auf der Rückseite der Alten Universität befindet sich der historische Studentenkarzer, der von den 1780er Jahren bis 1914 in Betrieb war. Die Universität besaß eine eigene Gerichtsbarkeit für Verstöße gegen die öffentliche Ordnung. Der Arrest dauerte zwischen zwei Tagen und vier Wochen. In dieser Zeit war es den Studenten erlaubt, die Vorlesungen zu besuchen. Da sich das Karzerleben jedoch recht komfortabel gestaltete, wurde die Haft eher dazu genutzt, die Lehrveranstaltungen zu schwänzen. Stattdessen verewigten sich die „Delinquenten“ auf Wänden und Decken mit Malereien und Gedichten.
Den Abschluss unseres Stadtrundgangs bildete die Alte Brücke, die 1788 von Carl Theodor aus regionalem roten Sandstein errichtet wurde. An gleicher Stelle gab es seit dem 13. Jh. acht Vorgängerbrücken aus Holz, die immer wieder durch Kriege und Hochwasser zerstört wurden. Die Alte Brücke zählt mit der Ruine des Heidelberger Schlosses zu den Wahrzeichen der Stadt, die mit der Altstadt und dem Schloss im Hintergrund ein malerisches Panorama bietet.
Nach dem zweistündigen Stadtrundgang stärkten wir uns in einem urigen Altstadtbrauhaus, ehe wir am Nachmittag das Heidelberger Schloss besichtigten.
Nachmittags - Schloss Heidelberg
(GBe) Vom Kornmarkt fuhren wir mit der Heidelberger Bergbahn zum Schloss hinauf. Die Burg auf dem Jettenbühl wurde in der ersten Hälfte des 13. Jhs. als Festung errichtet. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Burganlage zu einer standesgemäßen Residenz der pfälzischen Kurfürsten. Das Schloss Heidelberg ist kein einheitlicher Baukörper, sondern ein faszinierendes Architekturensemble verschiedener Baustile.
Drei Ereignisse markieren wichtige Wendepunkte in der Schlossgeschichte. Im Dreißigjährigen Krieg geriet das Schloss erstmals unter Beschuss durch Truppen der Katholischen Liga. Als Kurfürst Carl I. Ludwig 1649 in das beschädigte Stammschloss zurückkehrte, fehlte vorerst das Geld für Neubauten. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg erlebte das Heidelberger Schloss seine schwersten Zerstörungen. Die Tochter Carls I. Ludwig, bekannt als Liselotte von der Pfalz, war mit Herzog Philipp von Orléans, einem Bruder des Sonnenkönigs, verheiratet. Als ihr Bruder, Kurfürst Carl II. kinderlos starb, machte Ludwig XIV. unter Berufung auf seine Schwägerin einen Anspruch seines Bruders auf die Kurpfalz geltend. Daraus resultierte der Pfälzische Erbfolgekrieg, bei welchem die französischen Truppen die Taktik der verbrannten Erde anwandten und 1693 große Teile der Schlossanlage sprengten. Inzwischen hatten die Kurfürsten ihre Residenz nach Mannheim verlegt, das Heidelberger Schloss verlor seine politische Bedeutung. Nach einem verheerenden Blitzschlag 1764 gab man die Pläne zur Restaurierung des Schlosses als Sommerresidenz endgültig auf. Übrig blieb eine Ruine, die dem Verfall überlassen wurde und als Steinbruch diente. Im 18. Jahrhundert geriet das Heidelberger Schloss zunehmend in Vergessenheit. Erst in der Romantik erlebte die Ruine eine Renaissance. Dieser mystische Ort von melancholischer Schönheit übte vor allem auf Literaten und Maler eine große Anziehungskraft aus. Die Ruine wurde zum Sehnsuchtsort der „Heidelberger Romantik“. Der Franzose Charles de Graimberg, der sich 1810 in Heidelberg niederließ, war von der Ruine so beeindruckt, dass er sich für deren Erhalt einsetzte.
Unser Rundgang begann am Elisabethentor. Das triumphbogenartige Bauwerk im Stil des frühen Barock ist ein fürstliches Geburtstagsgeschenk von Kurfürst Friedrich V. für seine Gemahlin, die englische Königstochter Elisabeth Stuart. Die vier Säulen des Tores sind als Baumstämme mit Ast- und Blätterwerk gestaltet, in denen Tierdetails eingearbeitet wurden. Das Tor diente als Zugang zum Stückgarten, dem privaten Lustgarten der Fürstin im Stil italienischer Renaissance-Gärten. Die Zeitgenossen rühmten diesen wegen seiner raffinierten Wasserkünsten als „achtes Weltwunder“.
Durch den Torturm aus dem 16. Jh. gelangten wir auf den gepflasterten Schlosshof. Auf der linken Seite erhebt sich der Ruprechtsbau. Er ist älteste erhaltene Bau des Schlosses, und mit seiner ungegliederten Fassade und dem gotischen Eingang zählt er zu den letzten Relikten der spätmittelalterlichen Burg. Der schlichte Bau ist benannt nach dem ersten römisch-deutschen König aus dem Hause der Pfälzer Wittelsbacher: König Ruprecht I. In den Sälen im Erdgeschoss zeugen prachtvolle Kamine und Türeinfassungen im Stil der Renaissance von der ehemals vornehmen Ausstattung.
Hinter dem Ruprechtsbau liegt der Frauenzimmerbau, erbaut um 1515 und benannt nach den Wohnräumen der Hofdamen in den oberen Stockwerken. Im Erdgeschoss befindet sich der große Festsaal, der 1619 nach der Wahl von Kurfürst Friedrich V. zum böhmischen König die Bezeichnung Königssaal erhielt. Bei Hoffesten konnte der Wein praktischer Weise über eine Weinpumpe direkt aus dem Großen Fass im benachbarten Fassbau in den Königssaal gepumpt werden. Der Fassbau ist ein Zweckbau im gotischen Stil, in dessen Keller Kurfürst Johann Kasimir ein riesiges Weinfass einbauen ließ. Dieses musste noch dreimal größere Fässer ersetzt werden. Das heutige Große Fass fasst 220.000 Liter Wein.
Kurfürst Ludwig V. war, was den Umfang der Bautätigkeit betrifft, einer der bedeutendsten Bauherren im Heidelberger Schloss. Sein Sinn war auf das Notwendige und Praktische gerichtet. So ließ er neben seinem schlichten Wohngebäude ab 1524 auf der rechten Seite des Schlosshofes schmucklose Zweckbauten errichten, wie den Ökonomiebau mit Wirtschafts- und Vorratsräumen sowie den Soldatenbau mit den Wohn- und Aufenthaltsräume der Wachmannschaften. Dem Soldatenbau ist die Brunnenhalle als Loggia vorgelagert, deren Architektur den Übergang von der Spätgotik zur Renaissance zeigt. Der elf Meter tiefe Brunnen versorgte das Schloss mit frischem Quellwasser. An den Ökonomiebau schließt sich der mächtige Krautturm an, auch Gesprengter Turm genannt. Im Untergeschoss dieses Geschützturms wurde das „Kraut“ gelagert, das Schießpulver. Die von französischen Minen im Pfälzischen Erbfolgekrieg abgesprengten Teile liegen seitdem im Hirschgraben. Der ältere der beiden prunkvollen Renaissance-Paläste ist der Ottheinrichsbau, der als einer der frühesten Palastbauten der deutschen Renaissance gilt. Seine Fassade ist auf eine repräsentative Wirkung ausgerichtet und nach antiken Bauprinzipien geschoss-weise gegliedert. Das bestimmende Element bilden die hohen Fenster, die jeweils paarweise von einem Architrav bekrönt werden. Zwischen den Fenstern befindet ein Figurenprogramm, welches das Selbstverständnis und das politische Programm des Kurfürsten symbolisiert: antike Helden und römische Kaiser stehen für Ottheinrichs militärische und politische Macht, die christlichen Tugenden weisen auf einen gütigen Herrscher hin. Durch die leeren Fenster des Obergeschosses ist der Himmel zu sehen. Das Dach wurde durch einen Blitzschlag 1764 völlig zerstört. Die ehemaligen Wohnräume im Erdgeschoss zeigen noch die ornamentierten Türgestelle von hoher künstlerischer Qualität. In den Sälen stehen die Originalskulpturen der Fassade.
Der Schlosshof wird dominiert von dem majestätischen Friedrichsbau. Nach verheerenden Bränden wurde dieser Teil des Schlosses als einziger im Stil des Historismus wiederaufgebaut. Die Hoffassade schmückt eine illustre Ahnenreihe, die bis zu Karl dem Großen zurückreicht. Sie demonstriert den Machtanspruch von Kurfürst Friedrich IV. Im Erdgeschoss befindet sich die romantische Schlosskirche, die noch heute im Originalzustand erhalten ist. Ein Durchgang im Friedrichsbau führt auf den Großen Altan. Von dieser Terrasse biete sich ein fantastischer Blick auf die Altstadt von Heidelberg.
Der Gläserne Saalbau verbindet Friedrichs- und Ottheinrichsbau. Im Feuersturm von 1764 brannte der Saalbau bis auf die Kellergewölbe aus. Nur die Arkadengänge im Stil der italienischen Renaissance, die vor der Fassade standen, blieben erhalten. Das Gebäude erhielt seinen Namen durch einen prunkvollen Saal im Obergeschoss, der einst mit venezianischem Spiegelglas ausgestattet war.
Nach dieser Fülle an geschichtlichen und kulturellen Informationen erholten wir uns bei einem leckeren Abendessen in der Altstadt im Restaurant „Hackteufel“ Hackteufel wurden im Mittelalter die unsichtbaren Felsen im Neckar genannt, welche die Schiffsböden aufrissen, so dass die Boote in den Fluten versanken.
3. Tag – Kaiserdom zu Speyer, Judenhof und Technik Museum
(GBe) Der dritte Tag unserer Studienreise führte uns nach Speyer. Bereits in römischer Zeit entstand hier eine zivile Siedlung und später der fränkische Ort Spira, seit der zweiten Hälfte des 6. Jhs. ständiger Bischofssitz. 1030 legte der Salierkönig Konrad II. den Grundstein für den Speyerer Dom. Dieser diente fast 300 Jahre lang als Grablege der deutschen Herrscher. Heute gilt er als die größte romanische Kirche der Welt und ihre 1041 geweihte Krypta als größte Hallenkrypta der Romanik.
Der Kaiserdom zu Speyer ist eine der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten der Stadt. Er ist eines der bedeutendsten Beispiele romanischer Sakralarchitektur in Europa. Die Überwölbung des Mittelschiffs war die erste Wölbung dieser Art seit der Antike, und das Gewölbesystem ging als das „gebundene System“ in die Kunstgeschichte ein. Der Speyerer Dom ist auch die erste Kirche mit einer vollständig umlaufenden, begehbaren Zwerggalerie. Wegen der Zerstörungen im pfälzischen Erbfolgekrieg und der Französischen Revolution erscheint das Innere des Domes heute relativ schmuck-los. Dadurch kommen jedoch die rhythmische Gliederung des Baus und die romanische Formensprache eindrücklich zur Geltung.
Die Krypta entstammt der frühesten Bauphase des Domes. Vier Raumteile vereinigen sich zu einer weiten Hallenkrypta mit einem ungewöhnlich hohen Gewölbe. Charakteristisch sind die Gurtbögen aus abwechselnd rotem und gelbem Sandstein, welche die göttliche Ordnung versinnbildlichen, die dem Leben der Christen Struktur und Sinn verleiht. Von der Krypta aus erreicht man die schlichte Grablege der mittelalterlichen Kaiser und Könige. Die Steinsarkophage sind zum Teil noch original erhalten.
1084 siedelte sich westlich des Domes eine jüdische Gemeinde an. Sie zählte zu den sogenannten SchUM-Stätten, die im Mittelalter im gesamten Reich als Autorität in rechtlichen und religiösen Fragen galten. Das kultische Zentrum war der Judenhof, heute die zweite UNESCO-Welterbestätte von Speyer. Nach der Vertreibung der Juden 1534 wurde das Gelände nicht mehr genutzt und verfiel. 1999 wurde es archäologisch erschlossen und als Gedenkstätte gestaltet. Zentral auf dem Gelände des Judenhofs stehen die Überreste der mittelalterlichen Synagoge, deren Bauform über Jahrhunderte in Deutschland prägend war. Zu der Anlage gehörten ferner die Frauenschule, die Jeschiwa, der Synagogenhof und das rituelle Tauchbad. Die Mikwe ist eine der ältesten noch erhaltenen dieser Art und nahezu unverändert über die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben. Ihre besondere Bauform mit dem langgezogenen Treppenabgang und dem reichen plastischen Schmuck dokumentiert den herausgehobenen Status der jüdischen Gemeinde im Mittelalter.
Am Nachmittag stand die Besichtigung des Technik Museums Speyer auf dem Programm, deren Exponate nicht nur unsere männlichen Teilnehmer begeisterten. Die sogenannte Liller Halle, eine denkmalgeschützte Industriehalle von 1913, die im Ersten Weltkrieges als Kriegsbeute nach Speyer transportiert wurde, präsentiert u.a. eine bemerkenswerte Sammlung von Oldtimern aus Europa und den USA sowie von historischen Feuerwehrfahrzeugen, Lokomotiven und Nutzfahrzeugen.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Luftfahrtechnik. Sie zeigt u.a. das Dreidecker-Jagdflugzeug Foker Dr. I, das durch den erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, den „Roten Baron“, zur Legende wurde. Als „Grande Dame" der Luftfahrt gilt die Junkers Ju 52, vom Volksmund liebevoll „Tante Ju" genannt. Die Maschine mit ihrem charakteristischen kastenförmigen Rumpf und der typischen Wellblechbeplankung war in den 1930er-Jahren eines der meistgeflogenen Verkehrsflugzeuge, wurde aber auch ohne großen konstruktiven Aufwand für Militärtransporte genutzt. Auf dem Freigelände vor der Halle stehen zwei Hauptattraktionen: die Antonow An-22 „Antei“ und ein Jumbo Jet Boeing 747-200 mit dem Kennzeichen D-ABYM der Lufthansa. Bei der Antonov handelt es sich um ein Großraum-Transportflugzeug mit einem innovativen Antriebskonzept von vier mächtigen Propellerturbinen und einem Fahrwerk, das für Starts und Landungen auch auf Behelfspisten ausgelegt ist. Der vierstrahlige Jumbo-Jet ist ein Großraumflugzeug für maximal 660 Passagiere. Größe und Kapazität ermöglichten eine neue Ära der Fernreisen. Der Jumbo wurde als Passagier- und Frachtflugzeug eingesetzt und diente sogar als Raumfahrt-Shuttle-Träger. Die Boing 747 ist auf einem 20 Meter hohen Gestell montierten und für die Besucher komplett begehbar. Natürlich ließen sich unsere Senioren diese Gelegenheit nicht entgehen und kletterten zu dem Flugzeug hoch. Zur Belohnung bot sich ihnen von der linken Tragfläche aus ein spektakulärer Blick auf Speyer.
Andere Mitglieder unserer Gruppe stiegen in den Rumpf von U 9, einem originalen U-Boot der Bundesmarine. Bei der Enge und der verwirrenden Vielzahl technischen Ausrüstung beschlich uns ein beklemmendes Gefühl.
Den Abschluss bildete der Besuch der Raumfahrthalle. Sie ist die größte in Europa und dokumentiert die Entwicklung der bemannten Raumfahrt von den Anfängen in den frühen 1960er Jahren bis zur Gegenwart. Die Ausstellung zeigt Originalexponate des Astronauten Thomas Reiter, der als erster Deutscher einen Langzeitaufenthalt auf der Internationalen Raumstation (ISS) absolvierte. Ein Highlight ist die Landekapsel der Sojus Mission TM-19. Das Sojus-Raumschiff dient als bemannte Fähre für die Raumstationen der Saljut-Reihe, später für die MIR und aktuell für die ISS. Weitere Attraktionen sind das Mondauto „Lunar Roving Vehicle", der exakte Nachbau des Trainingsmoduls des Raum-labors SPACELAB sowie der Prototyp des Space-Shuttles Buran OK-GLI. Eine besondere Rarität ist der 3,34 Milliarden Jahre alten Original-Mondstein, den die Astronauten der Apollo 15 Mission 1971 mit zur Erde brachten.
Im späteren Nachmittag traten wir – zufrieden, aber auch ein wenig erschöpft – die Heimfahrt an.
Interessenten an den Unternehmungen der Senioren-Union können sich gerne unter g.beck@senu-ndk.de informieren.